Ausstellung

Ein glückliches Zusammenwirken

Der britische Designer Christopher Dresser (1834 bis 1904), Vater von zwöf Töchtern und einem Sohn, gilt als Pionier des Industriedesigns und als Vorbote der Moderne. Lange schwankte er, welcher Disziplin er seine ganze Zuwendung schenken sollte – der Botanik oder dem Design?

Christopher Dresser | Quelle Wikipedia

1860, nachdem er sich vergeblich um den Botanik-Lehrstuhl an der University of London beworben hatte, fielen die Würfel für das Design. Objekte des täglichen Gebrauchs aus Silber, Keramik, Glas, Textilien und Möbel entwarf er für eine Vielzahl von Firmen und sie wurden weltweit erfolgreich über das britische Empire hinaus vertrieben. Trotz seines immensen Erfolges wurde Dresser nach seinem Tod 1904 nahezu schlagartig vergessen und erst der Leipziger Kunsthistoriker Nikolaus Pevsner, der in der NS-Zeit nach London emigrierte, entdeckte ihn in den frühen 50er Jahren neu. 1983 fand in Düsseldorf eine erste Ausstellung seiner Produkte statt und genau hier wurde auch die Begeisterung des Sammlers, des Metallkünstlers und Keramikers Prof. Werner Bünck für Dressers Werk entfacht.

In der Ausstellung: Dr. Olaf Thormann im Gespräch mit Prof. Werner Bünck

 

Mit dem Bauhaus-Sammler Manfred Ludewig tauschte er eigene Arbeiten gegen erste Objekte von Christopher Dresser und legte so den Grundstock zu seiner eigenen Sammlung, die dann, bei einem Besuch des Direktors des GRASSI Museums für Angewandte Kunst, Dr. Olaf Thormann, wiederum dessen Begehrlichkeit weckte. Thormann beschreibt die Dresser-Objekte als “logisches, vermisstes Glied in unserer Kette der Exponate” und konnte die Doris-Günther-Stiftung dafür begeistern, zentrale Dresser-Designs aus der Sammlung Bünck für das Museum zu erwerben. Drei weitere Dresser-Stücke waren bereits im Besitz des Museums und sind nun auch Teil der neuen Präsentation in der Ständigen Sammlung.

“Es ergab sich eine Konstellation, die auch vorgedacht sein wollte.”, berichtet Dr. Thormann. “Unser langjähriger Gestaltungspartner Heinz-Jürgen Böhme hat hier große Aktien drin. Es ging um die Prämisse, wie man das Dresser-Konvolut aus nunmehr 39 Keramik-, Glas-, und Metallobjekten in die bestehende Dauerausstellung einbauen könnte. Drei schwebende, horizontale Vitrinen verschaffen den Objekten jetzt eine lichtdurchflutete Bühne und bilden einen wirkungsvollen Kontrast zu den ihnen gegenüber stehenden historischen Vitrinen. Das ist gut gelungen!” Doch die Dankbarkeit richtet sich an alle Beteiligten. Neben den Stiftern auch an den Chefrestaurator des Museums, Christian Jürgens, der alle Stücke für die Präsentation aufbereitete, wie auch an die Kuratorin Sammlungen Moderne, Sabine Epple, die für die Texte und Beschriftungen sorgte.

Jahrzehnte kundiger Sammelleidenschaft mit dem Blick des Gestalters Werner Bünck tragen nun reiche Früchte. Einer der ganz wichtigen Vorreiter des modernen Produktdesigns, Christopher Dresser, für den schon vor über 150 Jahren sinnvolle Konzeption und gute Gestaltung von Gebrauchsgegenständen mit den Ansprüchen der Serienfertigung und mit der Erschwinglichkeit für jedermann kompatibel sein musste, bekommt nun im GRASSI Museum für Angewandte Kunst in Leipzig eine Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit, die nur aus dem segensreichen Zusammenwirken vieler Kräfte entstehen konnte. So lebt das Museum!

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