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150. Gründungsjubiläums-Schmankerl 

Das Grassi Museum für Angewandte Kunst in Leipzig ist nicht nur das zweitälteste sondern auch eines der Schönsten seiner Art. Es feiert in diesem Jahr sein 150. Gründungsjubiläum. Einen ersten Höhepunkt der Festlichkeiten zu diesem Anlass bot das Wochenende vom 24. bis 26. Mai 2024, als zum Festakt, zu vielfältigen Aktionen, Ausstellungen und sogar zum Charleston-Tanzen in die prächtige Pfeilerhalle eingeladen wurde – das war ein großartiges Fest und das Museum in aller Munde. Natürlich sind auch die Sonderausstellungen, insbesondere die Installation „A Chair and You“ (bis 06.10.2024), zu der der Regisseur Robert Wilson Stühle aus der famosen Stuhlsammlung Thierry Barbier-Mueller inszenierte, spektakulär.

Dr.Olaf Thormann schneidet die Jubiläumstorte an | Foto: SvGwinner

Doch das Team um Direktor Dr. Olaf Thormann hat sich noch weitere Überraschungen einfallen lassen, die konzeptionell recht ungewöhnlich sind und mit einer freundlichen Geste alle Freunde des Grassimuseums aufforderten, mitzumachen und sich einzubringen:

150 Jahre 150 Objekte

Für 150 Objekte, jedes einzelne in einem anderen Jahr seit dem Bestehen des Museums erworben, folgten 150 Autoren dem Aufruf des Museums, eine kurze Objektgeschichte zu schreiben. Überwältigend war die Resonanz der zahlreichen Interessierten und deren vielfältige Einreichungen. Schülerinnen meldeten sich ebenso, wie Senioren. Angestellte der Stadtverwaltung, Kommunalpolitikerinnen und Kunstschaffende traten neben Rapper, Dichterinnen und schreibende Steuerberater. Menschen, die dem Museum bereits eng verbunden sind und kulturfremde Personen fanden durch die Texte ebenso zusammen, wie Tierliebhaberinnen und Technikbegeisterte. Wunderbar inspirierende oder auch verblüffende Texte sind entstanden: frei, losgelöst von streng kunsthistorischen Aspekten, individuell und assoziativ, eher mit der Fantasie der Erzähler anbändelnd, Prosa oder Poesie.

Die Beiträge werden nun, der Chronologie des Eingangs ihrer Objekte in den Museumsbestand folgend, bis zum historischen Ehrentag des Museums, dem 25. Oktober, wöchentlich online gestellt. Hier kann man die Objekte betrachten und die Beiträge dazu lesen. Es lohnt sich also immer wieder auf der online Sammlungs-Homepage vorbei zu schauen:

„BECOME A CURATOR. Private Sammelleidenschaften präsentiert“

Become A Curator | Foto: SvGwinner

Dieser Aufruf aus dem Museum richtete sich an private Sammler. In den vergangenen Jahrzehnten wuchsen die Museumssammlungen in allen Bereichen vor allem dank großzügiger Schenkungen, Spenden, Vermächtnisse und Ankäufe. Da lag es nahe, einmal nachzufragen, ob die Besucher und Besucherinnen eigentlich auch selbst sammeln und falls ja, auf welche spannenden und kuriosen Themen sie sich spezialisiert haben. Dem Aufruf folgten rund sechzig Sammlerinnen und Sammler aus ganz Deutschland, die aber leider nicht alle berücksichtigt werden konnten. Eine Jury des Museums wählte schließlich zehn sehr unterschiedliche Privatsammlungen aus, deren spannende und kuriose Objekte in einer anregenden Vitrinen-Ausstellung unter der Projektleitung des Kurators Dr. Thomas Rudi im Foyer des 1. OG bis zum 01.09.2024 präsentiert werden.

Become A Curator | Foto: SvGwinner

Die Exponate sind ganz unterschiedlich und zeigen die Breite des Sammelspektrums – von seltenen Jugendstil-Gläsern über Nadelbüchsen aus Blech, Taschenuhrständern aus dem 18. und 19. Jahrhundert bis hin zu Nachttischlampen aus den 1960er Jahren, beweglichen Holztieren der 1920er Jahre, Dosen des Art déco und Ofenkacheln von der Renaissance bis zum Barock. Auch eine Auswahl englischer Spiel- und Spaßobjekte – Automata – die bis zur Finissage am 01.09.2024 stillhalten müssen doch dann zum Finale, im Rahmen einer Führung, mechanisch in überraschende Bewegungen versetzt werden.

Become A Curator | Foto: SvGwinner

Jede der Sammlungen hat für die Sommermonate ihren gläsernen Schaukasten bezogen. Die Objekte können auf zwei Ebenen rundum in Augenschein genommen werden. Die Beschriftungen sind präzise und ausführlich – wie im Museum! Besonders berührend sind die Geschichten an jeder Vitrine zu lesen, die beschreiben, woher die Sammelleidenschaften kommen und welchen Ursprung diese inspirierenden Sammlungen haben. Manchmal führte der Zufall zum Sammeln, eher ein sachliches, technisches, historisches Interesse, besondere Bekanntschaften, die Freude am Seriellen, die Sehnsucht nach Vollständigkeit … Letztlich offenbaren diese Einblicke in private Kollektionen, dass in jedem von uns ein Sammler oder eine Sammlerin steckt, die mit staunendem Vergnügen diese kleine feine Schau genießen werden.

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