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Traumjob im GRASSI

Zwei Jahre sind schnell vorbei!

Dieser Zeitraum steht den Volontär*innen im GRASSI Museum für Angewandte Kunst zur Verfügung, um sich mit den Inhalten und Abläufen der Museumsarbeit vertraut zu machen. Anfang September sind sie gerade noch im Haus und bereit, mir von ihren Erfahrungen und Eindrücken zu berichten, bevor ihre Nachfolger*innen ihre Plätze und Aufgaben übernehmen.

Von 2024 bis 2026 arbeitete Dr. des. Ruth-Luise Junghans während ihres Volontariats als kuratorische Assistenz vor allem dem Museumsleiter Dr. Olaf Thormann zu. Ihr Hintergrund ist ein Studium der Kunstgeschichte und, bereits während des Masters, eine Spezialisierung auf den Bereich der angewandten Kunst, Möbel und Möbelgeschichte. Sogar eine Doktorarbeit wartet auf ihre baldige Veröffentlichung. Um bessere Chancen für eine berufliche Zukunft in diesem Bereich zu haben, in der projektbezogene, wissenschaftliche Zusammenarbeit eine zentrale Stellung einnimmt, wollte Ruth-Luise unbedingt Berufserfahrung im Museum sammeln.

Gleichzeitig war auch Nicolas Karpf Volontär und kuratorischer Assistent im Team des Museums. Sein Kunstgeschichtsstudium in Leipzig, bereichert durch ein Erasmus-Jahr in Bologna, schloss er ebenfalls mit dem Master ab. Seine Spezialisierung auf Themen zum Nationalsozialismus und zur DDR, hier vorrangig auf die Fotografie als Schnittstelle zwischen Kunst und Dokumentation, sollte von großem Nutzen sein. Die Information, dass im GRASSI eine Ausstellung zum Nationalsozialismus geplant war, hat ihn zur Bewerbung um das Volontariat motiviert. Dass der hauseigene Sammlungsbezug dabei eine so große Rolle spielen würde, konnte er nur ahnen.

Als dritte Volontärin kam Meike Müller ein halbes Jahr später in das Team, weshalb sie dem Haus auch entsprechend länger erhalten bleibt. Zuvor schloss sie das Studium der Kulturwissenschaften sehr erfolgreich ab. Doch sie musste erkennen dass eine Bewerbung um attraktive Positionen auch einschlägige Berufserfahrungen voraussetzt. Bereits in ihrer Masterarbeit beschäftigte sie sich mit der Museumsarbeit und bewarb sich auf dieser Basis für das Volontariat im Team Kommunikation und Marketing des Grassimuseums.

Sie wurde schnell und voller Vertrauen mit eigenen Aufgaben betraut, wie zum Beispiel mit der Erstellung der Quartalsprogramme des Museums. Auch für die Organisation des Begleitprogramms für die „THE SOUL OF OBJECTS“-Ausstellung war Meike Müller zuständig. Sie sagt dazu: „Ich habe gerne Verantwortung und freue mich, dass man mir diese auch zuspricht. Es ist ein tolles Gefühl, wenn die Arbeit gelingt und wertgeschätzt wird. Es tut gut, von diesem Team aus Persönlichkeiten, die seit vielen Jahren an diesem Haus tätig sind, ernst genommen zu werden.“ Selbstverständlich ist Meike auch in die Routinen der Kommunikation aller Museumsprojekte, Ausstellungen und Events eingebunden.

Ruth-Luise Junghans, Meike Müller, Nicolas Karpf | Foto: SvGwinner

Die drei Volontär*innen des GRASSI Museums für Angewandte Kunst teilen sich ein gemeinsames Büro, was sich positiv auf ihre Zusammenarbeit auswirkt. Meine Frage nach den erfüllten Erwartungen und Überraschungen in diesen zwei Berufsjahren findet eine enthusiastische Antwort von allen dreien. Die Einbindung in das Haus, in das Team und in das Arbeiten, sei fast ideal gelaufen!

„Weil wir die Projekte von Anfang bis Ende begleiten konnten, nicht nur assistierend, sondern auch wirklich substantiell, mit großem Vertrauen in unsere Kompetenzen. In enger Zusammenarbeit der kleinen Teams haben wir alle Etappen der Ausstellungsvorbereitungen mitbekommen: die Akquise von Geldern, das Projektmanagement und die Umsetzung, die Auswahl der Exponate, Leihnahmen – alle Bereiche konnten wir durchlaufen, bis hin zur Konzeption eines Rahmenprogramms und der Druckerzeugnisse – das war ein Idealfall!“ fasst Ruth-Luise Junghans zufrieden zusammen. Sie konnte ihre Erfahrungen im Kontext mit der Konzeption und Einrichtung der Ausstellung und des Kataloges GEFÄSS | SKULPTUR 4  vertiefen, deren kuratorische Leitung Dr. Olaf Thormann hatte.

Titel Katalog Gefäss / Skulptur

Kurz zur Erinnerung:

Der künstlerischen Studiokeramik hat das GRASSI Museum für Angewandte Kunst bereits drei große und vielbeachtete Ausstellungen gewidmet. Sie zählt zu den stark gewachsenen und international hochkarätig besetzten Sammlungsbereichen des Museums. Die Schau GEFÄSS | SKULPTUR 4 präsentiert ein Destillat dieses umfangreichen Sammlungsbestandes. Dieser besteht neben einer überaus großen Anzahl hochwertiger Schenkungen aus Privatsammlungen insbesondere auch aus Erwerbungen des Museums von den jährlich stattfindenden hauseigenen Grassimessen.

Gefäße und Skulpturen stehen sich in dieser Ausstellung in einem wechselseitigen Dialog gegenüber. In der chronologischen Betrachtung wird deutlich, dass sich die moderne Studiokeramik zunehmend ihrer bloßen Nutzbarkeit entzieht und mit skulpturaler Eigenständigkeit experimentiert, ohne das Thema „Gefäß“ ganz aus den Augen zu verlieren.

Auch Nicolas Karpf zieht eine positive Bilanz: „Das vergleichsweise kleine Team bietet den großen Vorteil, die verschiedenen Abteilungen direkt kennen zu lernen und einen leichten Einblick in alle Bereiche zu gewinnen. Wir konnten unsere Aufgaben und Konzeptionen sehr ausstellungs- und projektspezifisch umsetzen. Dennoch standen wir in sehr engem Austausch mit den Restauratoren, der Technik, sowie der Öffentlichkeitsarbeit – kurz: mit allen Abteilungen. Man lernt hier vor allem im Dialog und weniger im Sinn einer klassischen Einweisung. Ich hätte niemals erwartet, dass ich im Rahmen der Vorbereitungen für die Ausstellung „FORMEN DER ANPASSUNG“ soviel Verantwortung zugesprochen bekomme, dass ich am Ende als Co-Kurator genannt werde! Aber die Möglichkeiten und der Raum wurden mir gegeben. Gerade bei diesem sensiblen Thema mit Kolleginnen und Kollegen im ständigen Dialog zu stehen – das war etwas ganz Besonderes, sehr zielführend und hat zu den besten Ergebnissen geführt.“

Kurz zur Erinnerung:

von links: Nicolas Karpf (wissenschaftlicher Volontär), Dr. Stefanie Seeberg (Kuratorin Textil), Dr. Frank Werner (Hauptkurator aus Berlin), Sabine Epple (Kuratorin für Moderne) © Heide Prange

Das Kulturmagazin „Art“ hat das GRASSI Museum für Angewandt Kunst für die Ausstellung „FORMEN DER ANPASSUNG. Kunsthandwerk und Design im Nationalsozialismus“ mit dem Art-Kuratorenpreis als beste Ausstellung im deutschsprachigen Raum 2025 geehrt.  Das Kuratoren-Team der Ausstellung (Dr. Frank Werner mit Sabine Epple, Dr. Stefanie Seeberg und Nicolas Karpf) durfte am 15.04. die Auszeichnung in Köln entgegen nehmen.

FORMEN DER ANPASSUNG“ näherte sich einem bislang wenig erforschten Kapitel deutscher Gestaltungsgeschichte, indem sie das Zusammen­spiel von Kunsthandwerk, Design und politischer Ideologie und untersuchte und damit zeigte, wie stark der NS-Staat Gestaltung, Produktion und Repräsentation beeinflusste. Zugleich wurde nach Handlungsspielräumen gefragt, die Gestalter*innen in diesem autoritären System nutzten oder suchten. Dabei ging es nicht nur um Form und Ästhetik, sondern um die politische und gesellschaftliche Funktion von Gestaltung im Kontext diktatorischer Macht.

Selbstredend, dass die Volontär*innen neben ihren speziellen Aufgaben auch in das „business as usual“ der Museumsarbeit eingebunden werden, wie es beispielsweise Bestandspflege, Objektdokumentation, Kommunikation mit Sammler*innen sowie Führungen zu den laufenden Ausstellungen oder zur Architektur des spektakulären Museumsbaus sind. Oder die Übernahme von Aufgaben anlässlich der Museumsnacht, des Grassifestes, des „Sommer im GRASSI“ oder zur GRASSIMESSE. Darüber hinaus sind sie davon überzeugt, dass ihre Expertise in der musealen Praxis hier, im GRASSI Museum für Angewandte Kunst, einen enormen Schub bekommen hat. Auch die Einschätzung der Relevanz verschiedener Arbeitsfelder hat sich für sie verschoben, zum Beispiel der so wichtige Umgang mit Datenbanken oder das zentrale Thema der finanziellen Förderung im Kulturbereich. In der Hierarchie der Wichtigkeit ist es ganz nach oben gerückt, denn auch hier bekamen die Volontär*innen weiterführende Einblicke in die Antragstellung für Projektmittel – Basis zur Finanzierung von Kultur.

Verleihung des PREIS der GRASSI friends 2025 | Foto: SvGwinner

Eine sehr besondere Aufgabe war für sie die Verantwortlichkeit für den Betrieb des jungen Freundeskreises des GRASSI Museums, der GRASSI friends. Ruth-Luise Junghans, Nicolas Karpf und Meike Müller sahen sich hier vor allem als Bindeglied zwischen dem Museum und dem jungen Freundeskreis, um Möglichkeiten zu schaffen. Einige Veranstaltungsformate übernahmen sie von ihren Vorgängerinnen, manches entwickelten sie selbst. Besonders stolz dürfen sie auf den von ihnen ausgelobten „PREIS der GRASSI friends.“ sein. Für diese besondere Auszeichnung wählt eine eigene Jury aus dem Kreis der GRASSI Friends auf der GRASSIMESSE eine*n Preisträger*in und erwirbt ein Objekt für die Sammlung des Museums. Auch eine mobile Ausstellung wurde in den Räumen des Museums realisiert.

Vieles mehr berichteten die drei, vor allem begeistert über spannende Aufgaben, mit denen sie sich unter besten Bedingungen beschäftigt haben. Ich frage nach einer Botschaft an ihre Nachfolger*innen – hier die Antwort:

„Sie sollten den Mut haben, sich mit Offenheit und mit einem gewissen Selbstbewusstsein – ich kann was, ich habe Themen, ich habe Ideen, ich möchte mitmachen – hineinzubegeben. Das wird im Haus sehr gesehen. Sie sollten sich einbringen, auch mit diversen Meinungen, auch Vorschläge formulieren – man wird ernst genommen in dem, was man denkt. Wir gehen mit einem sehr weinenden Auge hier raus – wir hatten eine gute Zeit hier!“

Hinweis:

Nicolas Karpf konnte in seiner Volontariatszeit an einem Austauschprogramm teilnehmen, das er gerne weiter empfiehlt:

Das DFJW unterstützt den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Frankreich mit einem Programm für junge Berufstätige in Museen und Institutionen im Bereich des Kulturerbes. Das Programm bietet jungen Menschen bis einschließlich 35 Jahre die Möglichkeit, für 2 Monate die Museumsarbeit im Partnerland kennenzulernen. Sie können sich mit Ihren Kolleg*innen aus Frankreich austauschen, Ihre Kompetenzen bei der Zusammenarbeit erweitern und tiefer in die französische Kultur eintauchen. So machen Sie sowohl in beruflicher als auch in persönlicher Hinsicht eine bereichernde Erfahrung, die Ihnen während Ihres gesamten Berufslebens von Nutzen sein wird.

https://www.dfjw.org/programme-aus-und-fortbildungen/arbeitsaufenthalt-im-museum#1