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Preis-Segen und Reden zur GRASSIMESSE 2018

Alle Jahre wieder werden zur GRASSIMESSE wertvolle Preise vergeben – wertvoll im pekuniären Sinne, aber auch vor allem hinsichtlich der Anerkennung und Wertschätzung genialer Konzepte und ihrer handwerklichen, gestalterischen und sinnhaften Umsetzung. Die Ausgezeichneten zählen zu den Besten in ihrem Metier und können stolz auf ihre Erfolge sein – genauso wie das GRASSI Museum für Angewandte Kunst in Leipzig stolz darauf ist, diese herausragenden Künstler und ihre Werke auf der GRASSIMESSE vorstellen zu können.

Die Jury hat gesprochen und folgende Aussteller ausgezeichnet und begründet:

Isabelle Enders, “Dolores” Salz- und Pfeffermühlen, 3D Druck | Foto: Schnuppe von Gwinner

Der mit 3.000 € dotierte „Grassipreis der Carl und Anneliese Goerdeler Stiftung” geht an  geht an Isabelle Enders (*1979). Mit ihren in manipuliertem 3D-Druck gefertigten Pfeffermühlen lotet sie die Grenzen der Funktionalität aus.
Isabelle Enders zelebriert das Pfeffermahlen in all seinen Facetten und bietet dabei eine große Bandbreite an Formensprachen an. Ihre Pfeffermühlen sind technisch innovativ – Handwerk und Hightech gehen Hand in Hand. Sie spielt mit Farbe ebenso wie mit Ironie und Witz.
Bei ihren Dosen bekennt sie sich zum Material Edelstahl. Das Schweißen wird zur Form zelebriert. Sie ertastet die Grenzen der Funktionalität ebenso wie die des Sinns oder Unsinns einer Formgebung und freut sich, wenn diese die Kommunikation bei Tisch anregen.

Antje Dienstbir, geschmiedeter Silberlöffel mit seinem Gefäß | Foto: Antje Dienstbir

Den mit 2.000 € dotierten „Grassipreis der Sparkasse Leipzig“ erhält Antje Dienstbir (*1970) aus Wiesbaden. Sie schmiedet aus Silberstangen Löffel besonderer Form, die feinste Strukturen des Schmiedens wiedergeben.
Die skulpturale Qualität der Löffel von Antje Dienstbir hat die Jury überzeugt. In der Kombination mit den Gefäßen eröffnet sie ein Angebot, die Löffel – ebenbürtig zu ihrem Gebrauchswert – als Kunstobjekte zu betrachten und ihre ästhetische Qualität im Wohnraum wahrzunehmen. Ihre Objekte sind sehr puristisch, nichts ist zu viel. Die sichtbar gemachte Poetik des Hämmerns schafft eine eigene Ästhetik. Die Technik des Silberschmiedens überträgt sie in ihren neueren Arbeiten konsequent auch auf das Material Ton. Durch ihre Erfahrung als Silberschmiedin erreicht Antje Dienstbir eine stets hohe Qualität und erhält somit wohlverdient den Grassipreis der Sparkasse Leipzig. .”

Jil Koehn Brosche | Foto: Jil Koehn

Über den mit ebenfalls 1.000 € dotierten „Grassipreis der Galerie Slavik/ Wien“ kann sich die Schmuckgestalterin Jil  Köhn (*1988) freuen.
“Inspiriert durch Surrealismus und Natur thematisiert Jil Köhn die Wechselwirkung von Imagination und Wirklichkeit. Sie findet neue Zugänge zum Material und ist damit stets auf der Höhe der Zeit. Ihre organischen Formen faszinieren. Die farblosen Schmuckstücke bilden die Natur nach, während die farbigen diese gar neu erfinden. Dabei scheint der Konflikt zwischen den Farben hin und wieder gar zu explodieren. Das Ziel ihrer Gestaltung ist die ästhetische Erfahrung als Bereicherung des digitalen Alltags – dass sie dieses Ziel erreicht hat, ehren wir mit dem Grassipreis der Galerie Slavik.”

Angela Schönewald, geschmiedete Gartengeräte  Foto AKH

Der mit 1.000 € ausgelobte „Apolline-Preis“ geht an Angela Schönewald (*1953). Sie schmiedet Gartenwerkzeuge für anspruchsvolle Gärtner/-innen von Hand. Ihre Einzelstücke und Kleinserien sind eine Kombination aus Edelstahl mit Griffen aus Buchenholz, griffigem Tauwerk oder Leder.
In Zeiten von „urban gardening“ und des Strebens nach „back to the roots“ sind Angela Schönewalds Gartengeräte aktueller denn je. Formal auf die jeweilige Funktion reduziert, bereiten sie nicht nur dem Hobbygärtner Freude, sondern auch dem stilbewusstem Zeitgenossen.
In ihrer Feldschmiede produziert Angela Schönewald die präzise geformten Harken, Fugenkratzer und Rosengabeln als Einzelstücke und in Kleinserien. Veredelt werden sie mit Griffen aus gefärbtem Buchenholz, Lederriemen und Kordeln in verschiedenen Farben. Sie liegen perfekt in der Hand und leisten ihren Besitzern mit Sicherheit über viele Jahre gute Dienste. Die Jury entdeckte in den scheinbar so einfachen Gegenständen das Potenzial, eine alltägliche Tätigkeit neu zu bewerten.”

Ludwig Menzel, skulpturale Gefäße in unterschiedlichen Schmiedetechniken  Foto: Schnuppe von Gwinner

Den mit 1.000 € dotierten Preis der Grassifreunde erhält der in Berlin lebende Metall- und Schmuckkünstler Ludwig Menzel  (*1964) für seine ebenso archaisch anmutenden und kraftvollen wie auch verspielt-poetischen Arbeiten.“Die Arbeiten von Ludwig Menzel vereinen drei Formensprachen: Rationalität, Natürlichkeit und Eklektizismus. Er kann Filigranes mit Kräftigem zusammen denken und ist auf der Suche nach der Einfachheit. Seine Arbeiten erscheinen oft archaisch und kraftvoll, manchmal auch verspielt und poetisch – immer wieder wird die Lust des Silberschmieds am Experiment deutlich. Alle seine Stücke werden im Guss realisiert. Er überschreitet die Grenzen seiner Disziplin und überträgt keramische Formen auf das Silberschmiedehandwerk. Daher geht der Preis der Grassifreunde verdient an Ludwig Menzel.”

Den von der Culturtraeger GmbH gestifteten „Grassi Nachwuchspreis“ erhielt dieses Jahr das

Christian Andrés Parra Sánchez, Projekt GEGEN-STAND Foto: CA Parra Sanchez

Projekt GEGEN-STAND von Christian Andrés Parra Sànchez (Industrial Design). Die von Prof. Dieter Hofmann betreute Arbeit wird angekauft und in die Sammlung des Grassi Museums Leipzig aufgenommen.

Xenophobie, die aggressive Ablehnung von Menschen aus anderen Kulturkreisen, anderen Völkern anderer Religionen ist ein altes gesellschaftspolitisches und soziales Phänomen, das sich aktuell leider wieder in den Vordergrund schiebt und den sozialen Frieden zu gefährden droht. Hinterfragt man was fremd und im Gegensatz vertraut ist, und warum das Fremde so vehement bekämpft wird gelangt man schnell zu zweifelhaften Argumenten, die in einer globalisierten Welt geradezu absurd erscheinen. Diesem Widerspruch setzt Christian Andrés Parra Sánchez ein engagiertes Konzept entgegen: vier Objekte formieren sich als GEGEN-STAND gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Mit dem Xenophilophon, dem Videoveritas, einem Rassistektor und dem Egoreflektor hat er phantasievolle, bewusst unsinnige Entfremdungs-Instrumente erfunden, um alltägliche Diskriminierungen zu entlarven und sie ad absurdum zu führen. Als Stilmittel dienen ihm Witzig, Ironie, Satire, auch Sarkasmus und Irritation, die jedoch wirkungsvoller als jede moralisierende oder pädagogische Argumentation der Xenophobie entgegenwirken.”

GRASSIMESSE  – 26. bis 28. Oktober 2018
GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig, Johannisplatz

Fr, 26.10.: 10–19 Uhr
Sa, 27.10.: 10–19 Uhr
So, 28.10.: 10–18 Uhr

Aussteller und Specials: http://www.grassimesse.de/de/

Termine & Themen der Standgespräche: http://www.grassimesse.de/de/service/

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