Am 15. Dezember 2025, zur dunkelsten Winterzeit, in der wir uns alle so sehr nach Licht und Erleuchtung sehnen, überrascht die Fassade des Leipziger Grassimuseums mit einem neuen Highlight. Seit 2019 reifte das Projekt einer Lichtinstallation des Leipziger Künstlerduos DOPPELDENK in der Absicht, dem Museum mehr visuelle Wahrnehmung im Stadtraum zu verschaffen. Die Verantwortlichen aus dem Museum für Angewandte Kunst engagierten sich beharrlich, in Gesprächen und durch Anträge und Genehmigungen die Gesamtheit des GRASSI aufzuwerten . Besonders erfreulich ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass die Sparkasse Leipzig und die Ostdeutsche Sparkassenstiftung die Finanzierung des ambitionierten Projektes zu 100% übernehmen. Nun endlich wird das „LICHT IN BEWEGUNG“ die Fassade der Museumsarchitektur mit seinem magischen Lichtspielen animieren.

DOPPELDENK ließen sich von den berühmten Glasfenstern im Haupttreppenhaus des Museums inspirieren. Deren Gestaltung basiert auf einem Entwurf des Bauhauskünstlers Josef Albers, der 1927 umgesetzt wurde. 18, bis zu sieben Meter hohe Fensterflächen setzte man hier aus mundgeblasenem Klarglasscheiben mit weißem Überfang zusammen. Flächig aufgetragenes Schwarzlot und Silbergelb sowie eingeschliffene Linien lassen zusätzliche Farb- und Lichteffekte entstehen, die die insgesamt grafische Komposition beleben. Dieses einzigartige Ensemble wurde kriegsbedingt 1943 zerstört und erst 2011 durch eine vorbildgetreue Rekonstruktion wieder zu einer maßgeblichen Attraktion der Museumsarchitektur.

„Es war eine spontane Idee gestalterisch den Albers-Fenstern zu folgen“ erläutert das DOPPELDENK-Duo, „auch wenn diese Installation damit am wenigsten mit unseren vorausgegangenen Arbeiten zu tun hat. Die Referenz auf Josef Albers erschien uns sehr stimmig. Das Hell-Dunkel-Spiel in den Fenstern der Fassade passt sich gut in die Umgebung ein“.
Laute, bunte Farben sind eigentlich das Markenzeichen von DOPPELDENK. Für die ursprüngliche Idee, DOPPELDENK für die Kreation einer Lichtinstallation am Museumsbau zu gewinnen, schwebten Direktor Olaf Thormann zuerst deren farbenfrohe Neonlicht-Werke vor. Doch mehrere Rundgänge durch das Museum führten letztlich zur Entscheidung für die nun realisierte grafische Lichtkomposition aus 340 transparenten LED-Elementen.

Sie fügt sich perfekt in die expressionistische Fassadenarchitektur des Museumsbaus, deren Proportionen sie aufnimmt, indem sie mit dem Raster der historischen Sprossenfenstern spielt. Jedes einzelne wird als Lichtfeld definiert und durch eine speziell programmierte Software angesteuert, die die Rechtecke in Varianten von fünf Schattierungen und einem unendlichen Rhythmus an Kombinationen durch die Dunkelheit fließen lässt. So wird das gesamte Gebäude aufgewertet, bleibt auch Abends sichtbar und strahlt eine eigentümliche Poesie aus.
Rund hundert Jahre liegen zwischen der Entstehung der Albers Fenster und der „LICHT IN BEWEGUNG“-Installation von DOPPELDENK. In den 1920er Jahren ermöglichte die neu entwickelte technische Präzision von Sandstrahlern, mit denen das Überfangglas bearbeitet werden konnte, eine spektakuläre Wirkung. Heute sind es die innovativen digitalen Möglichkeiten zur Gestaltung optischer Effekte. Beide Kunstwerke spielen mit einer geometrisch basierten Abstraktion, die aus der Bauhauszeit stammt. Für das GRASSI Museum für Angewandte Kunst ist dieser 100 Jahre überbrückende Design-Dialog ein Glücksfall.

„Visitenkarte oder Hausfassade – wir können alles!“ Beide DOPPELDENKs stammen aus dem Erzgebirge und haben ihre kreativen Wurzeln in der Subkultur der Nachwendezeit. Sie veranstalteten Electro-Partys, legten auf, beschäftigen sich mit Computergrafik und Graffiti. „Als wir jung waren, haben wir unsere Ideen frei umgesetzt und im wilden Osten unsere eigenen Netzwerke geknüpft“ schwärmen sie. Als sie sich im Jahr 2007 zusammen taten, konnten sie schon lange davon leben. „Jeder von uns hat das in den Ring geworfen was er konnte und dann ging es los!“ Seither steht DOPPELDENK für farbenfrohe Gebrauchsgrafiken und Schriften, Illustrationen, Gemälde, Skulpturen, Leuchtobjekte, Möbel, Fassaden und vieles mehr. In ihren Werken verwenden sie populäre Symbole, Piktogramme und Figuren, die sie aus ihren ursprünglichen Kontexten lösen und in neuer Form präsentieren.

Ihren Namen DOPPELDENK („doublethink“) fanden die beiden Künstler in George Orwells berühmten Roman „1984“. Dieser Begriff beschreibt eine systematisch ambivalente Denkweise, in der sich zwei widersprechende Wahrheiten und gegenseitig ausschließende Überzeugungen behaupten. So wie es auch im künstlerischen Kosmos des Duos DOPPELDENK geschieht. In ihm erzeugen stilisierte, comichafte Darstellungen in kontrastreichen Farben subtile kritische und humorvolle Kommentare zu Phänomenen unserer Massenkultur. Eine an Werbeästhetik orientierte Farbpalette und akkurate technische Ausführung legt im ersten Moment mehr dekorative als intellektuelle Absichten der Bild- und Objekt-Motive nahe.

Doch der zweite, dritte bis unendliche Blick enttarnt ihre kritischen und komplexen, oft auch humoristischen Bilderwelten und Objektgeschichten. Man kann nur darüber staunen wie sophisticated DOPPELDENK an historische, soziale und kulturelle Bezugspunkte anknüpft. Auch die eingesetzten Techniken, wie Intarsien in Handarbeit, Aibrush und Lasercut, bis zu den verwendeten Materialien sind immer von auserwählter, allerbester Qualität – unabhängig davon, ob es sich um die Umsetzung eines Auftrags oder eine selbst gestellte Aufgabe handelt.
DOPPELDENK nutzen Strategien des Scheins, um den geduldigen Blicken der Betrachter die Vielschichtigkeit von Symbolen und ihren kulturell-gewachsenen Inhalten nahezubringen. Sie lassen ihren spielerischen Ernst spielerisch aussehen.
„Licht in Bewegung“ wird am Montag, den 15. Dezember 2025, um 17 Uhr offiziell in Betrieb genommen.
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